INTERVIEW Jörg Hilbert

Jörg Hilbert, © Dominika Bonk
Jörg Hilbert, © Dominika Bonk

Lieber Jörg Hilbert, vor über zwanzig Jahren haben Sie den Ritter Rost erfunden. Die ersten Fans von damals haben inzwischen wohl schon selbst Kinder. Hatten Sie von Anfang an das Gefühl, der Ritter Rost könnte ein moderner Klassiker werden?
Ich habe gewusst, dass in Ritter Rost mehr steckt als nur eine gute Geschichte, nämlich ein eigener Kosmos. Da gibt es so viel zu erzählen und ich bin dankbar, dass ich damit nicht schon nach dem ersten Buch aufhören musste. Dass aus der Serie ein regelrechter Klassiker werden würde, war eher nicht zu erwarten, dazu waren die Bücher von Anfang an zu modern und eigenwillig. Es ist bis heute so, dass sie in keins der üblichen Kinderbuch-Schemen passen und die Buchhändler oft nicht wissen, in welches Regal sie die Dinger stellen sollen. Auch kopieren lassen sie sich nicht so ohne Weiteres. Und trotzdem werden sie immer noch gerne gekauft.

Wie läuft die Entstehung eines neuen Abenteuers ab? Fallen Ihnen zuerst Bilder ein oder die Geschichte selbst? Wann kommt die Musik dazu?
Das ist sehr unterschiedlich. Manchmal entwickelt sich eine Geschichte aus einem Thema, manchmal aus einer besonderen Figur, einer Skizze, einem Dialog und bisweilen auch aus einem Liedtext. Die Bilder entstehen mir immer schon mit, wenn ich mir die Geschichten ausdenke, allerdings erst einmal im Kopf. Wenn die erste Idee steht, wird die Musik gemacht. In der Regel geht es so, dass ich meine Textvorschläge an meinen musikalischen Partner Felix Janosa schicke. Wir entwickeln dann zunächst ein Konzept, welche Lieder wie aufeinander folgen. Erst wenn diese Frage geklärt ist, wird die eigentliche Geschichte fertig gemacht. Die eigentlichen Illustrationen für das Buch entstehen ganz am Schluss, wenn ich den sogenannten Umbruch mache. Als Grafik-Designer mache ich den immer selber.

Sie zeichnen und schreiben die Ritter-Rost-Bücher und singen bei den Liedern auch selbst mit. Ein bisschen was von Ihnen ist also in jeder Figur, aber in welcher Figur aus der Ritter-Rost-Welt erkennen Sie sich selbst am ehesten wieder?
In den Liedern erkenne ich zunächst einmal meine eigene Art zu schreiben wieder. Sie ist geprägt von Vorbildern wie Kästner, Ringelnatz, Tucholsky, Shakespeare, Morgenstern, Heine und Paul Gerhardt. Als Figur erkenne ich mich am ehesten in Mies dem Werwolf wieder, denn den darf ich auf den CDs immer selber singen. Ansonsten bin ich vermutlich Koks, Bö und Rösti zusammengenommen. Von allen dreien habe ich was.

Sie zeichnen, schreiben und musizieren auch in anderen Projekten. Was haben Sie als nächstes vor?
Im Herbst 2016 erscheint mein zweites Kind vom Schneemannkind (»Das Schneemannkind auf Reisen«). Das Jahr davor gab es ein Spielbuch beim Carlsen-Verlag, das ich gestaltet und illustriert habe. Ich schreibe gegenwärtig auch an einigen Opern- und Konzertprojekten, die in Zukunft entstehen sollen. Mit Felix Janosa wird es im Jahr 2017 ein Buch vom »Rap-Huhn« geben – das ist sein erfolgreichstes Lied überhaupt und wir haben gerade eine Geschichte dazu geschrieben. Andere Bücher, die man vielleicht von mir kennt sind: Der Schweihnachtsmann (auch mit Musik von Felix), der Sonnenmacher, die Pappenheimer, Karo und Blaumann, das unverschämte Pianoforte oder auch Fritz & Fertig – Schach lernen für Kinder. Daneben mache ich selber viel Musik, spiele verschiedene Lauten-Instrumente und trete damit auf. Meistens sind es Konzerte mit sogenannter »Alter Musik«, die meine große Leidenschaft ist. Wenn es Texte gibt, mache ich es gerne so, dass ich sie neu fasse, für unsere Zeit verständlich nachdichte und bei Bedarf auch rezitiere. Ein paar meiner Nachdichtungen sind auf meiner Homepage zu finden. Am glücklichsten bin ich aber, wenn ich im Orchester sitze. Gerade letztes Wochenende habe ich wieder ein großes Chorwerk von Johann Sebastian Bach mitspielen dürfen.

Bei unserer Veranstaltung für die „Kijutage“ stellen Sie das neueste Abenteuer „Ritter Rost und der Schrottkönig“ vor. Worum geht es in der Geschichte?
Es geht um den Schrotthändler Schredder, der von König Bleifuß dem Verbogenen des Diebstahls bezichtigt wird. Dieser Schredder ist zwar ein komischer Typ, aber letztlich kann er nichts dafür und Bleifuß muss einsehen, dass er hier einem Vorurteil aufgesessen ist. Musikalisch geht es um das Thema »Bigband“. Felix hat geniale Arrangements dafür geschrieben und die komplette CD mit der Bigband der Deutschen Oper Berlin eingespielt. Wir haben die Sache dort auch schon mehrfach mit Riesenerfolg aufgeführt. Insgesamt glaube ich, dass der Schrottkönig eins unserer kompaktesten und gelungensten Werke ist.
www.joerghilbert.de.

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