INTERVIEW Thomas Feibel

Thomas Feibel, © Hoffotografen
Thomas Feibel, © Hoffotografen

Lieber Thomas Feibel, warum ist es für Kinder und Jugendliche wichtig, sich mit Software, Computern und dem Internet auszukennen?
Weil das heute zur Lesefähigkeit gehört. Jedes Medium bedarf seiner eigenen Lesefähigkeit. Wer gut Bücher lesen und verstehen kann, kommt zum Beispiel mit diesem Rezeptionsverhalten bei Computerspielen oder sozialen Netzwerken nicht automatisch weiter. Denn die funktionieren nun mal anders. Außerdem kommen eine Reihe anderer Dinge noch hinzu: Was darf ich mit Fotos im Netz und machen und was nicht? Gibt es beim Posten in sozialen Netzwerken eine zweite Botschaft oder wie gehen wir eigentlich mit Datenschutz um? Diese Herausforderungen gilt es zu meistern. Und es gibt sogar einen Ort, der stets neue Lesefähigkeiten von Anfang an begleitet und vermittelt: die Bibliothek.

Müssten die Eltern besser Bescheid wissen über die Vorteile und Gefahren im Internet?
Die Eltern von heute sind längst selbst im Netz aktiv. Sie buchen ihre Reisen, lesen Nachrichten, kaufen ein oder streamen Musik und Videos. Sie nutzen auch Whatsapp, um unter anderem mit ihren Kindern in Kontakt zu bleiben. Trotzdem wird es uns Erwachsenen oft zu viel. Und wenn wir sehen, wieviel Zeit Kinder und Jugendliche mit Smartphones & Co verbringen, fühlen wir uns hilflos. Da helfen nur feste Regeln, klare Ansagen und die eigene Vorbildfunktion in Sachen Medienverhalten im Blick zu behalten. Denn Kinder sind gnadenlose Beobachter.

Was verlernt man, wenn man zu viel Zeit vor dem Bildschirm verbringt?
Gerade weil wir mit einem Knopfdruck die ganze Welt mit Mails, Postings, Musik, Filmen oder Spielen einschalten können, plädiere ich für bewusste Ruhezeiten.
Wir müssen uns dringend mehr langweilen, um den Kopf frei zu bekommen. Eine ungefähre Ahnung davon bekommen die meisten Menschen, wenn sie in den Urlaub ins Ausland fahren. Am Anfang zucken noch alle wegen ihrem Smartphone, aber nach drei Tagen ohne Geräte und Textnachrichten atmen alle auf und entspannen.

Im Internet ist eine neue Welt entstanden. Gelten dort auch neue Regeln für das Leben?
Das Internet ist ein Spiegel der Gesellschaft. Sie finden nichts im Web, dass es nicht auch im echten Leben gibt. Soziale Netzwerke etwa gab es schon immer:
Familie, Freunde, Sportverein. Doch mit dem Internet kommen Freunde hinzu, die wir nicht persönlich kennen. Dennoch gelten inner – und außerhalb des Netzes die gleichen Regeln. Zum Beispiel nicht zu vertrauensselig zu sein, nicht zu viel von sich preiszugeben und gut auf seine Privatsphäre zu achten. Das ist sehr wichtig, aber nicht wirklich neu.

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